Brombeer-Balsam

Erst vor Kurzem habe ich hier ja ein Loblied auf die Erdbeere gesungen (und es auch so gemeint), aber es gibt noch eine Beere, die ich sogar fast noch ein klitzekleines bisschen lieber mag. Nämlich diese hier:

Brombeer Balsam

Brombeeren schmecken toll, aber so richtig verliebt bin ich in das Brombeerenpflücken. Schon als Kind war im Sommer oft mit meiner Mutter unterwegs, um die säuerlichen Beerchen zu sammeln und dabei so wenig wie möglich gepiekst und verkratzt zu werden. Vor ein paar Jahren habe ich meine Brombeersammelleidenschaft dann wieder entdeckt – so richtig Spaß macht es allerdings erst seit letztem Jahr wieder. Davor hat mich das Ganze doch immer sehr an dieses Lied von Peter Alexander erinnert, das ich als Kindergartenkind sehr gerne und sehr häufig hintereinander gesungen habe (an dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Eltern dafür entschuldigen und mich ganz herzlich für ihre Geduld bedanken):

Die süßesten Früchte

Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere
nur weil die Bäume hoch sind
und diese Tiere groß sind
Die süßesten Früchte schmecken dir und mir genau so
nur weil wir beide klein sind
erreichen wir sie nie

In dem Lied geht es ja eher um Kirschen (bzw. vermutlich um ernsthafteste Sozialkritik, aber das soll hier momentan keine Rolle spielen), aber auf das Gefühl beim Brombeerpflücken passt der Text des Refrains auch ganz wunderbar. Was HAB ich mich immer geärgert, weil die schönsten, dicksten und reifsten Brombeeren stets außerhalb meiner Reichweite hingen und meistens nicht mal unter vollem Körpereinsatz erwischt werden konnten. Irgendwann hatte man zwar einen beachtlichen Berg an Beeren gesammelt und man trottete damit halbwegs zufrieden nach Hause. Man wusste dennoch immer, dass die wirklich guten nach wie vor am Strauch hingen. Und irgendwie hat mich das nicht losgelassen.

Letzten Sommer habe ich mir dann vorgenommen, endlich auch ein großes Tier zu sein. Und zwar mit diesem unscheinbaren, zweckentfremdeten Hilfsmittel: einer Greifzange! Eigentlich wohl als Müllzange gedacht, kann man den Greifer auch ganz wunderbar zum Brombeeren pflücken verwenden. Er ist sogar so präzise, dass man nicht mal ganze Äste damit zu sich runterziehen muss, sondern auch einzelne Beeren damit abpflücken kann. Hurra!

Brombeer Balsam-3

Ein bisschen merkwürdig fühlt man sich natürlich schon, wenn man mit einer Greifzange durch den Wald marschiert, aber da muss man dann eben durch. Da die Zange nur 75 cm lang ist, gibt es auch nach wie vor eine Menge Beeren, an die man immer noch nicht ran kommt. Aber das ist ok, schließlich soll für die Vögel und die wirklichen großen Tiere ja auch noch genug übrig bleiben.

Aus meiner Ernte mache ich dann jedes Jahr Brombeermarmelade, -gelee und Brombeer-Balsamessig. Als großer Essig-Fan kaufe ich sehr gerne die Balsamessige vom „Vom Fass“, aber dieser hier ist mindestens genau so lecker, ganz einfach zu machen und eignet sich auch sehr gut als Geschenk oder Mitbringsel.

Brombeer Balsam-2

Brombeer-Balsam

Zubereitungszeit: ca. 1 Stunde insgesamt, muss allerdings mindestens 2 Wochen ziehen

350 g Brombeeren
500 ml Weißweinessig
200 – 250 g weißer oder brauner Zucker

Brombeer Balsam-4

Eine verschließbare Glasflasche oder ein Einmachglas mit mindestens einem Liter Fassungsvermögen mit kochendem Wasser ausspülen und trocknen lassen. Die Brombeeren gut waschen (bei Selbstgepflückten am besten mehrmals) und in die Flasche füllen. Den Weissweinessig darüber gießen, Flasche fest verschließen und das ganze an einem hellen Ort (z.B. auf dem Fensterbrett) mindestens zwei, besser drei Wochen ziehen lassen. Dabei die Flasche jeden Tag ein Mal leicht schütteln.

Brombeer Balsam-6

Wenn der Essig durchgezogen ist, Essig mit den Brombeeren über einem feinen Sieb in einen mittelgroßen Topf füllen, Brombeeren abtropfen lassen.

200g Zucker zum Brombeeressig geben, aufkochen und bis zur gewünschten Dickflüssigkeit und Süße einkochen lassen. Dabei ab und zu probieren. Die Zuckermenge ist natürlich Geschmacksache und hängt auch von der Säure/Süße der Brombeeren ab.

Wenn der Brombeerbalsam die gewünschte Konsistenz erreicht hat, leicht abkühlen lassen in sterilisierte Glasflaschen* füllen, verschließen und komplett abkühlen lassen.

*Bei 150° C im Backofen, 15 Minuten.

Brombeer Balsam-5

 

 

Zum Schluss noch ein paar mehr Gedanken zum Brombeerpflücken:

Ich will es ja nun wirklich nicht allzu sehr übertreiben mit der Brombeermanie und am Ende noch die große Philosophin raushängen lassen. Aber zwei kleine Dinge, die mir beim Bromeersammeln immer wieder auffallen, lassen sich nunmal wirklich sehr schön auf anderen Lebensbereiche übertragen:

  1. Man sollte wirklich versuchen, sich alles auch mal aus einem anderen Blickwinkel anzuschauen. Häufig übersieht man die schönsten Beeren fast, ist schon fünf Mal an ihnen vorbei gelaufen, aber erst, wenn man plötzlich aus einem völlig anderen Winkel auf den Brombeerstrauch schaut, kann man sie sehen.
  2. Einige der schönsten und tollsten Brombeeren haben zu wollen, ist vollkommen in Ordnung. Sobald man aber zu gierig wird (und, beim Brombeerbeispiel, zu übermütig wird und versucht, auch die ganze hinten oder ganz oben am Strauch zu erreichen), tut man sich weh. Man muss aufhören können, wenn man eigentlich schon lange genug hat.

Nicht neu, aber immer mal wieder einen Gedanken wert 🙂

An dieser Stelle auch noch mal vielen Dank an meinen Freund für eines der liebevollsten Geburtstagsgeschenke, die ich bekommen habe: mein eigenes Brombeerkataster, in dem alle Stellen, an denen wir beim Spazieren gehen oder Fahrrad fahren schon mal Brombeeren gesehen haben, eingezeichnet sind. So eine schöne Idee! :*

 

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